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Autor: Nikolaus B. Enkelmann
Letzte Aktualisierung: 24.02.2011

Mit Vertrauen gewinnen: Das Geheimnis und die Kraft echter Lebensqualität

Das Prinzip des Vertrauens beherrscht das gesamte menschliche Zusammenleben. Vertrauen wirkt wie das Licht der Sonne – es stimuliert unsere Lebenskräfte. Sobald das Vertrauen schwindet, verliert unser Leben an Qualität. Wolken verdunkeln den Himmel und ebenso unser Gemüt.

Anschuldigungen in der Familie oder ein negatives Arbeitsklima mit Neid und Missgunst sind ebenso wenig erfreulich wie Kundenbeziehungen, die von Misstrauen geprägt sind. Das Wirtschaftsleben basiert im besonderen Maße auf Vertrauen. Denken Sie nur an die Börse. Der entscheidende Faktor für die Börsenkurse sind nicht etwa die Ergebnisse der Unternehmen, sondern vielmehr das Vertrauen der Anleger.

Das gesamte menschliche Leben wurzelt im gegenseitigen Vertrauen. Ohne Vertrauen kann unsere Welt nicht funktionieren. Vertrauen ist für die meisten Menschen so selbstverständlich, dass ihnen die Bedeutung von Vertrauen erst bewusst wird, wenn es abhandengekommen ist. Bis hinein in den Alltag ist Vertrauen im Leben jedes Menschen allgegenwärtig. Wann haben Sie zum Beispiel das letzte Mal darüber nachgedacht, dass Autofahren eine potenziell lebensgefährliche Tätigkeit ist? Niemand würde sich in sein Auto setzen, wenn er nicht das Vertrauen hätte, heil am Ziel anzukommen. Im Straßenverkehr vertrauen Sie darauf, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer die Straßenverkehrsordnung respektieren, dass sie vor einer roten Ampel zuverlässig anhalten und der Gegenverkehr – komme, was wolle – auf der linken Spur bleibt. Ähnlich wie den Straßenverkehr können Sie viele andere Alltagssituationen dahingehend überprüfen, welche Bedeutung Vertrauen hat. Sie werden feststellen, dass es in nahezu allen Lebensbereichen eine tragende Rolle spielt:

  • Beim Einkaufen im Supermarkt vertrauen Sie darauf, dass die angebotenen Waren einwandfrei sind und die Kassiererin die Preise richtig eintippt
  • Wenn Sie im Flugzeug sitzen, vertrauen Sie darauf, dass die komplizierte Technik tatsächlich funktioniert und die Piloten ihre Instrumente im Griff haben
  • Selbst wenn Sie nur einen Brief in den Briefkasten werfen, vertrauen Sie darauf, dass die Mitarbeiter der Post Ihren Brief korrekt behandeln und sicher zustellen
  • Beim Zahnarztbesuch vertrauen Sie darauf, dass der Arzt seine Kunst beherrscht, die Spritze wirkt und Sie keine Schmerzen haben – und dass nach der Behandlung alles in Ordnung ist
  • Jeden Abend, wenn Sie sich schlafen legen, vertrauen Sie darauf, dass Ihre Atmung und Ihr vegetatives Nervensystem während des Schlafes zuverlässig weiterfunktionieren und Sie am nächsten Morgen wohlbehalten aufwachen
Kurzum – wenn Sie Ihren Alltag einer ausführlichen Prüfung unterziehen, werden Sie feststellen, dass Ihre gesamte Lebensführung im Vertrauen wurzelt. Das verleiht Ihnen sehr viel Sicherheit. Sie können Ihre Aufgaben frei von Zweifeln und Ängsten anpacken, große Herausforderungen annehmen und voller Mut und Tatendrang Ihr Leben meistern. Vertrauen verleiht Sicherheit und macht selbstsicher.

Generell ist Vertrauen die Grundlage für die positiven Gefühle, die Ihr Handeln leiten. Angenommen, Sie würden von einem Moment zum anderen all Ihr gewohntes Vertrauen verlieren – Sie würden innerhalb weniger Minuten eine emotionale Katastrophe erleben. All Ihre Gedanken und Gefühle wären schlagartig negativ. Sie würden verzweifeln, in Panik geraten oder einen akuten Nervenzusammenbruch erleiden. Sie würden sich ängstlich zurückziehen und sich nichts mehr zutrauen. Kurzum: Sie wären nicht mehr in der Lage, Ihr Leben aktiv zu leben.

Die Psychologie des Vertrauens

Vertrauen ist ein psychisches Phänomen, das überwiegend in der Domäne des sogenannten Unbewussten zu Hause ist. Sie können Vertrauen weder befehlen noch erkaufen. Die Entstehung von Vertrauen ist ein organischer Prozess, auf den das menschliche Bewusstsein nur zum Teil Einfluss hat. Vertrauen entwickelt sich tief im Herzen des Menschen. Der Prozess seiner Entstehung ist ein außerordentlich sensibles Pflänzchen: Einerseits gibt es praktische Leitlinien für die Hege und Pflege, andererseits sind die Bedingungen für gesundes Wachstum von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Im Sinne der allgemeinen Psychologie betrachten wir die Fähigkeit, Vertrauen zu empfinden, als einen für jeden Menschen strukturell ähnlichen Prozess, der durch evolutionsgeschichtliche Faktoren, die auch unsere heutige Psyche prägen, beeinflusst, behindert oder gestärkt wird. Deshalb können wir verbindliche Aussagen machen, die im Regelfall auf jeden Menschen zutreffen. So verlieren alle Menschen an Vertrauen, wenn sie belogen, betrogen oder verraten werden. Negative Erfahrungen strapazieren das menschliche Vertrauen, während positive Erlebnisse es stärken.

Im Sinne der differenziellen Psychologie müssen wir das Phänomen des Vertrauens auch im Kontext der persönlichen Lerngeschichte des einzelnen Menschen betrachten. Hier gibt es keine allgemeingültigen Regeln – stattdessen zählen der Respekt vor der Einzigartigkeit jedes Menschen und die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzufühlen. Jeder Mensch wurde durch eine individuelle Lerngeschichte im Laufe seines Lebens geprägt. Unterschiedliche Personen brauchen unterschiedliche Umstände, um sich sicher zu fühlen und Vertrauen zu empfinden. Falls ein Mensch gelernt hat, sich mit Hunden gut zu verstehen, wird ihm die Anwesenheit von vielen Hunden ein positives Gefühl vermitteln, vermutlich fühlt er sich geschützt und gut bewacht. Dagegen würde diese Situation einen Menschen, der in seiner Kindheit von einem Hund gebissen wurde, nervös machen und sein Vertrauen negativ beeinträchtigen.

Ihr Erkenntnisgewinn:
Die beiden psychologischen Betrachtungsweisen – allgemeine und differenzielle Psychologie – sind wie zwei Geschwister, die als Yin und Yang ein ganzheitliches Erkenntnissystem bilden. Je mehr es Ihnen gelingt, die allgemeingültigen Prinzipien des „Mensch-Seins“ zu verstehen und mit Respekt sowohl auf sich selbst, als auch auf andere zu übertragen, desto stärker können Sie sich und Ihre Mitmenschen im Zustand des Vertrauens verankern.

Der Einfluss des Unterbewusstseins
Zunächst ist es wichtig, die Funktion des Unbewussten bei der Entstehung des Vertrauens zu erkennen. Der Mensch kann nur zu einem geringen Grad bewusst beeinflussen, wie sehr er in einer bestimmten Situation vertraut oder aber von den Gefühlen der Angst erfasst wird. Wenn es so einfach wäre, negative Gefühle abzuschütteln und Vertrauen zu gewinnen, könnten Sie in dieser Minute beschließen, Ihr Leben ab sofort erheblich zu erleichtern, indem Sie in Zukunft all Ihre Aufgaben voller Vertrauen in Angriff nehmen. Doch so einfach ist es nicht: Im Fall einer Flug-Phobie reicht der Entschluss, diese abzulegen, alleine nicht aus. Sie müssen Ihre Angst behandeln und trainieren, sich während der Flugsimulation mehr und mehr zu entspannen. So beginnen Sie, positive Erfahrungen mit dem Fliegen zu sammeln. Nur wenn Sie sich Ihrer Angst stellen, hat Ihr Unbewusstes eine Chance, Vertrauen in das Fliegen zu entwickeln. Damit Vertrauen wachsen kann, braucht es also positive Erfahrungen. Die Natur des Vertrauens liegt im Unbewussten begründet. Wenn Sie nachhaltig Vertrauen gewinnen wollen, müssen Sie die Natur des Unbewussten verstehen, respektieren und sich mit den unbewussten Kräften im Menschen verbünden.

Vertrauen braucht ein emotionales Fundament
Besitzt Ihr Vertrauen ein starkes Fundament, eine gesunde Basis, kann es durch nichts erschüttert werden. Wenn Vertrauen jedoch lediglich als bloße Absichtserklärung oder als intellektuelles Konzept existiert und nicht durch echte Erfahrung getragen wird, kann es schnell in sich zusammenfallen. Sobald Druck entsteht und Schmerzen, Frustration oder Angst auslöst, wird das Unterbewusste darauf bestehen, sich zu schützen. Es wird innerlich aufrüsten, die biologische Abwehr einschalten, Adrenalin ausschütten, Spannung erzeugen, Misstrauen empfinden und feindselig reagieren. Vertrauen fällt wirklich nicht vom Himmel – es muss auf intelligente Weise mit emotionaler Investition entwickelt und aufgebaut werden.

Metaphorisch gesprochen ist das Unbewusste der „Wächter des Vertrauens“. Es achtet sehr genau darauf, ob die aktuelle Situation es erlaubt, voller Vertrauen angenehm zu entspannen, oder ob es notwendig ist, durch eine zusätzliche Energie-Investition für erhöhte Sicherheit zu sorgen. Misstrauen verlangt Schutz! Misstrauen kostet sowohl psychologisch als auch biologisch betrachtet ein gewisses Maß an „Extra-Energie“.

Der menschliche Organismus ist jedoch – wie jedes andere Lebewesen auch – ein „Energiesparsystem“. Wann immer es möglich erscheint, Energie zu sparen, wird der unbewusste Organismus versuchen, das Misstrauen zu reduzieren und sich zu entspannen.

Ihr Erkenntnisgewinn:
Vertrauen ist der natürliche Zustand jedes gesunden Menschen. Misstrauen hingegen ist eine emotionale Notfallreaktion, die keinesfalls chronisch werden sollte. Chronisches Misstrauen bedeutet Verlust von Lebensqualität, Mangel an Leistungsfähigkeit und Gefahr von Krankheit. Misstrauen erfordert Veränderung!

Vertrauensbildung ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern das Resultat einer positiven Lebensführung. Wachsendes Vertrauen basiert auf der Wertschätzung von Mensch und Leistung. Exzellente Leistungen erfordern sowohl einen motivierenden Vertrauensvorschuss als auch die entsprechenden Kontrollen – nicht zuletzt, um dem erfolgreichen Leistungsbringer ein ermutigendes und anerkennendes Feedback auszusprechen.

Die Vertrauenskultur als Merkmal erfolgreicher Unternehmen
Die heutige Gesellschaft tendiert stark zu Misstrauen. Sobald die Gewinne schwächeln, kontrollieren viele Unternehmen verstärkt die Mitarbeiter. Besonders große Konzerne behindern sich selbst, indem sie sich trotz ihrer enormen finanziellen Kraft in träge Dinosaurier verwandeln, weil unzählige bürokratische Kontrollmechanismen die Mitarbeiter lähmen und frustrieren. Manchmal dürfen erwachsene Menschen, die für 600.000 Euro ein eigenes Haus gebaut haben, in ihrer Firma nicht einmal 100 Euro eigenverantwortlich investieren, ohne sich vorher ein Formular von einem Ordnungshüter abzeichnen zu lassen. Dabei hat jeder Mensch das Recht, im Zustand des Vertrauens zu leben und zu arbeiten.

Viele Unternehmen blockieren sich durch eine „Misstrauenskultur“. Obwohl die nötigen Ressourcen vorhanden sind und Vertrauen durchaus berechtigt wäre, entstehen oftmals enorme Reibungsverluste durch das gegenseitige Misstrauen. Nicht nur die Motivation der Mitarbeiter, auch die Kommunikation zwischen Kollegen und ganzen Abteilungen wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter haben sich daran gewöhnt, ihr soziales Umfeld durch negative Wahrnehmungsfilter zu betrachten. Man sieht viele Probleme und nur wenige Chancen. Man lästert über die Kollegen und erzählt böse Gerüchte über den Vorstand. Das eigene Unternehmen wird als Organisation von Sklavenhändlern wahrgenommen. Die Zeiten sind schlecht und Deutschland womöglich ein benachteiligter Standort! Auf diese Weise entstehen ganze Spiralen von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Negative Wahrnehmungsfilter vergiften unser Vertrauen und fördern die Angst. Wer Böses erwartet, zieht das Böse förmlich an. Was der Denker denkt, beweist der Beweisführer – das gilt für negative Glaubensmodelle leider ebenso wie für positive.

Eine gesunde, ermutigende und kooperative Vertrauenskultur kann erst entstehen, wenn die betroffenen Menschen beginnen, daran zu glauben, dass sich Vertrauen lohnt. Die Vertrauenskultur wird gefestigt, sobald eine kritische Masse von mutigen Menschen positive Handlungen, die das allgemeine Vertrauen stärken, konsequent umsetzt. Stabil wird die Vertrauenskultur, sobald die positiven Handlungen normaler Bestandteil des täglichen Lebens werden und sich somit zur aktiven Gewohnheit einer Organisation entwickeln. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und Fähigkeiten! Optimismus, Wertschätzung und intelligentes Handeln bilden die Wurzeln des Vertrauens.

Nikolaus B. Enkelmann

Experte: Herr Nikolaus B. Enkelmann

Nikolaus B. Enkelmann, ist wohl einer der bedeutendste Erfolgstrainer im deutschsprachigen Raum. Gemeinsam mit seiner Tochter Claudia leitet er das Institut für Persönlichkeitsbildung, Rhetorik und Zukunftsgestaltung in Königstein/Taunus

Internet: http://www.enkelmann.de


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