{ts '2012-05-18 00:24:17'}
Der innovative Beratungsbrief plus Online-Wissensportal

Autor: Michael Ehlers
Letzte Aktualisierung: 25.01.2012

Die Social-Media-Revolution - Teil 12: Google+, das neue facebook?

Lange Zeit war facebook das Nonplusultra der Social-Media-Plattformen. Kleinere Plattformen wie wer-kennt-wen und meinVZ mussten sich nach und nach der Übermacht des Portals beugen. Doch auch facebook ist nicht fehlerlos – und genau da setzt der Megakonzern Google mit einer neuen Plattform an.

Freund ist nicht gleich Freund
Die Bezeichnung „Freund“ im Portal facebook war ja schon immer ein bisschen umstritten. Wer qualifiziert sich denn überhaupt so als „virtueller“ Freund? Mit dem Chef versteht man sich ja eigentlich prächtig, aber will man wirklich, dass er auch die Partybilder vom letzten Mallorca-Urlaub ansehen kann? Soll er wirklich mitlesen können, wie man mit der Familie und engen Freunden kommuniziert? Man kann zwar Bilder und Statusnachrichten nur für bestimmte Leute sichtbar machen, doch diese Einstellung ist erstens schwer zu finden und zweitens ist es recht mühselig, die Kontaktliste jedes Mal einzeln durchzugehen, um die Leute ausfindig zu machen, für die diese Statusmeldung eben nicht bestimmt ist.

Genau diese Funktion ist der Dreh- und Angelpunkt der neuen Google+-Philosophie. Bei Googles neuer Plattform gibt es keine Freundesliste, die man nur bei Bedarf untergliedern kann. Um hier jemanden als Freund aufzunehmen, muss man ihn gleich in eine Gruppe ordnen, einen sogenannten Circle. Die sind von Google schon vorgefertigt z.B. für Familie, Freunde und Arbeitskollegen, man kann aber natürlich auch eigene erstellen. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Möchte ich nun wissen, was es bei meinen Familienmitgliedern Neues gibt, klicke ich einfach „Familie“ an und bekomme nur die Neuigkeiten aus diesem Circle angezeigt. Man muss sich nicht mehr, wie bei bisherigen sozialen Netzwerken üblich, durch die Statusmeldungen aller wühlen und ärgert sich nicht mehr über eigentlich unwichtige Personen, die mit ihren Spielebenachrichtigungen und Aktualisierungen andere unter sich „begraben“.

Strukturierte Informationen
Im selben Maße funktioniert dieses System natürlich auch in die andere Richtung. Ich kann nicht nur die Statusmeldungen bestimmter Gruppen lesen, es ist auch äußerst einfach, meine eigenen Statusmeldungen nur für bestimmte Leute sichtbar zu machen.

Durch die schon vorsortierten Gruppen ist es ein Leichtes, einen persönlichen Kommentar nur mit engen Freunden und Familie zu teilen oder seinen Arbeitskollegen einen interessanten Artikel zu übermitteln. Damit beschreibt Google+ einen Trend, dem wohl das ganze Internet auf kurz oder lang folgen wird: Das Bedürfnis nach strukturierter Information oder in einem Begriff: Semantic Web. Die facebook-User werden immer zahlreicher, immer mehr Informationen, Statusmeldungen, Linkempfehlungen und vieles mehr sammeln sich täglich in unserem Newsfeed. Wenn jede dieser Meldungen mit der Angabe versehen ist, für wen sie denn bestimmt ist, können diese Informationen viel zielgerichteter verteilt werden. Ich bekomme nur noch das zu lesen, was ich auch lesen soll. Das spart Zeit, Missverständnisse und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit – ich habe es beim Veröffentlichen von Informationen selbst in der Hand, wo sie sichtbar sind, und kann bei jedem eingestellten Content selbst aufs Neue entscheiden, für wen er bestimmt ist. Das uralte Web-2.0-Prinzip wurde hier also erstmals nicht nur auf den Nachrichtenempfang (bestellte RSS-Feeds z.B. meiner Tageszeitung) umgesetzt, sondern tatsächlich schließt es im sozialen Netzwerk auch den Sender mit ein. Frei nach dem Motto „Wir müssen nicht mehr zu den (relevanten) Nachrichten gehen – die Nachrichten kommen zu uns!“

Aufgeräumt, erwachsen, vernetzbar

Während diese Informationsverwertung die Hauptinnovation von Google+ darstellt, bietet die neue Plattform natürlich auch einige andere Vorteile. Denn während Hauptkonkurrent facebook eine natürlich gewachsene Plattform ist und neue Features oftmals mehr schlecht als recht in das bestehende Interface „basteln“ musste, konnte Google sich in aller Ruhe mit dem Aufbau seiner Plattform beschäftigen. Die so entstandene Oberfläche ermöglicht eine intuitive Bedienung und erweckt den Anschein einer „erwachseneren“ Plattform. Alle Features sind sinnvoll angeordnet und es ist auf den ersten Blick ersichtlich, welche Informationen für wen sichtbar sind. Zusätzliche Funktionen wie das „Hangout“, das einen tadellosen Gruppen-Videochat anbietet, ermöglichen eine ganzheitliche Kommunikation.

Und da Google neben Google+ ja auch einige andere Dienste betreibt, funktioniert die nahtlose Übertragung von Daten zwischen den Google-Diensten tadellos. Bilderalben im Bilderservice „Picasa“ können problemlos in das Netzwerk eingespeist werden, genauso wie z.B. Kontakte aus Googlemail. Das begeistert natürlich die Nerds und Geeks, denn endlich ist es möglich, fast alle Onlinedienste aus einer Hand zu beziehen. Vor allem für Android-User ist diese ganzheitliche Abdeckung durch einen Anbieter attraktiv.

Marketing im Social Media
Dass Unternehmen das ungeheure Potenzial der sozialen Netzwerke bereits entdeckt haben, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr. Firmenseiten bei facebook sind inzwischen weit verbreitet, denn der direkte Kontakt mit den Kunden ist ein äußerst wertvoller Informations- und Kommunikationskanal. So ungefiltert und unmittelbar kommt man sonst nur schwer an die Meinungen der Konsumenten. Im Gegenzug dazu haben die facebook-Nutzer auf Firmenseiten oftmals die Möglichkeit, an Gewinnspielen teilzunehmen, exklusive Informationen zu erhalten oder direkt mit Vertretern der Marke in Kontakt zu treten.

Beim Launch von Google+ witterten also auch die Firmen ihre Chance, im neuen Netzwerk sofort vertreten zu sein. Doch kaum hatten sie ihre Profile erstellt, wurden diese auch schon von Google gelöscht. Firmenprofile seien in der ersten Version von Google+ noch nicht angedacht, hieß es, es werde aber bald ein eigenes Profil für Unternehmen entstehen.

Flut der Experten
Aus dem vorläufigen Verbot für Firmenseiten kann eine spezielle Gruppe von Unternehmern allerdings enormen Gewinn schlagen. Denn jeder, der hauptsächlich seine eigene Person zu vermarkten hat, kann dies ja weiterhin tun. Infolgedessen wird das Netzwerk jetzt von Beratern, Trainern, Experten und Ähnlichen geflutet. Für sie ist dies natürlich ein großartiger Weg, ihre Dienste zu verkaufen, doch bei den „zivilen“ Nutzern des Netzwerks sorgt es oftmals für Frustration. Man kommt online und wurde von acht Personen zu den Kreisen hinzugefügt, doch nur zwei davon kennt man persönlich – der Rest möchte nur irgendwelche Dienstleistungen verkaufen. Das kann einem die Lust auf ein neues soziales Netzwerk leicht verderben.

Google+ als facebook-Killer und facebooks schnelle Reaktion
Zwischen „Google-Jüngern“ und „facebook-Fans“ ist bereits beim Start der Plattform eine hitzige Debatte entbrannt, welches denn nun das bessere Social Network ist. Natürlich hatte Google+ in den ersten Monaten ein enormes Wachstum zu verzeichnen, doch wie viele User nutzen die Plattform wirklich? Viele haben wohl nur einmal einen Blick auf die neue Plattform werfen wollen und kehren nun wieder zu facebook zurück, da Google+ einfach nicht genug Mehrwert bietet, um den Aufwand eines Wechsels zu rechtfertigen.

Genauso darf man natürlich nicht vergessen, dass facebook selbst ein unglaubliches Entwicklungspotenzial hat. Um dem riesigen Netzwerk wirklich langfristig die Nutzer abzuwerben, sind seitens Google noch einige Innovationen erforderlich, die einen wirklichen Mehrwert bieten – und dieser Mehrwert darf sich nicht nur dem Medien-Nerd erschließen, sondern muss auch für den 08/15-facebook-Nutzer attraktiv sein.

Die Features, die Google+ eben noch von facebook abgehoben haben, haben dort bereits Einzug gehalten – und nicht wenige sagen, dass facebook diese Funktion eben nicht nur kopiert, sondern gleich verbessert hat. Die neuen Freundeslisten von facebook haben den Google+ Circles einiges voraus. Der facebook-Nutzer bekommt neue automatische Listen, die nach bestimmten Kriterien wie Arbeitgeber, Wohnort, Schule u.v.m. durchsucht werden. Genannt werden diese neue Listen „Smart-Listen“. Sie sind sehr gut im Sortieren, solange die anderen Nutzer ihre Daten auf facebook aktuell halten. Wenn dann doch mal eine Person in der Liste fehlt, wird sie in einem Fenster vorgeschlagen oder man kann sie manuell suchen. Das wird jedoch nur ein Übergangszustand sein, denn viele bisher leere Profile füllen sich seit der Einführung der Listen mit Informationen.

Konkurrenz belebt das Geschäft
Durch die erste globale Konkurrenz ist facebook gezwungen zu reagieren. So wurde neben den neuen Listen auch gleich ein neues Format für die Neuigkeiten des eigenen Netzwerkes geschaffen. Das scheint jedoch erst der Anfang einer Innovationslawine zu sein, die durch die neue Situation losgetreten wurde. Weitere Neuerungen wie das „timeline“ genannte Profil, das mehr und ausführlichere Informationen über die Nutzer ermöglicht, stehen vor der Tür – viele Chancen für neue Ideen also.

Michael Ehlers

Experte: Herr Michael Ehlers

Michael Ehlers ist Kommunikationsexperte für Rhetorik & Internet-Rhetorik. Der erfahrene Trainer & Speaker schult sowohl Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Politiker und Verkaufsprofis in Kommunikationstechniken und Marketing. In seinem Bamberger Institut arbeiten professionelle Teams in den Abteilungen: Marketing, PR & Lobbying, sowie dem Hörbuch und Podcast Verlag. Der gut gebuchte Speaker ist Professional Member der GSA und Expert Member im Club 55 (European Community of Experts in Marketing & Sales).

E-Mail: rhetoriktrainer@me.com

Internet: http://www.michael-ehlers.de




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